Momentan wird viel über eine mögliche Entnahme des Wolfsrudels in Hünxe und Schermbeck diskutiert. Insbesondere nach dem offenen Brief der FDP, SPD und CDU an die Umweltministerin des Landes NRW, in dem die Mitarbeiter:innen der LANUV in anmaßender Art und Weise diskreditiert wurden, möchten wir als Hünxer Ortsverband des Bündnis 90/Die Grünen Stellung beziehen. Dies tun wir auch vor dem Hintergrund, dass erst kürzlich im Eilverfahren vom Verwaltungsgericht Düsseldorf ein Antrag auf Entnahme abgewiesen wurde. Wir wollen nichts beschönigen, eine Entnahme bedeutet letztendlich die Tötung des Wolfs.
Zunächst muss erst einmal festgestellt werden, Wölfe können nicht unterscheiden, ob die Beute, die sie jagen, für sie freigegeben ist oder nicht. Sie jagen die Tiere, die am einfachsten für sie zu erreichen sind. Schon der Wolfsmanagementplan des Landes NRW aus dem Jahr 2016 hält fest, dass bei Wölfen, die Nutztiere jagen, das Problem nicht beim Wolf liegt, sondern beim Menschen. Ein Wolf kann sich an leicht zugängliche Futterquellen gewöhnen und so langfristig lernen, Schutzmaßnahmen zu überwinden, im Gegensatz zu Wölfen, die dieses Verhalten noch nicht verinnerlicht haben. Dies bedeutet, die Schutzmaßnahmen müssen erhöht werden, um dem Habituierungsprozess entgegenzuwirken. Dabei stehen Nutztierhalter:innen Hilfen des Landes zu. Diese beziehen sich bislang auf die finanziellen Aspekte, sprich die Optimierung und Errichtung der Schutzzäune sowie die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden.
Es ist korrekt, dass allgemein eine Höhe von 1,20m für Elektrozäune empfohlen wird. In diesem Zuge wird jedoch auch dringend angeraten, die Zäune optisch zu erhöhen, falls diese trotzdem überwunden werden.
Wir möchten unser Unverständnis darüber zum Ausdruck bringen, dass eine sachliche Diskussion oftmals in Emotionen untergeht. In der Politik, den sozialen Medien und der allgemeinen Medienlandschaft ist oftmals vom „großen, bösen Wolf“ wie man ihn beispielsweise aus dem Märchen „Rotkäppchen“ kennt, die Rede. Dabei wird der Wolf häufig vermenschlicht, denn ein Wolf tötet nicht bewusst auf „grausame Weise“. Ein Wolf reißt ein Tier, ohne dabei besonders grausam oder weniger grausam vorzugehen, denn er ist und bleibt ein Jäger, das natürlichen Instinkten und erlernten Gewohnheiten folgt. In den Diskussionen wird oft vernachlässigt, dass es einen prägnanten Unterschied gibt zwischen dem, was wir Menschen als auffälliges Verhalten eines Wolfs empfinden und dem, was tatsächlich auffällig ist.
Trotz Allem ist der Wolf kein Schoßhündchen und muss objektiv beobachtet werden. Wir als Hünxer Ortsverband des Bündnis 90/Die Grünen nehmen die Sorgen und Probleme der Nutzertierhalter:innen ernst und setzen uns deshalb dafür ein, dass das Land NRW bei der Errichtung der Schutzzäune fachliche und bauliche Unterstützung bietet, sowie für eine Beschleunigung der Antragstellung- und Bewilligung. Es ist keine Lösung, jeden Wolf, der sich hier ansiedeln möchte, zu töten oder in einen Wildpark zu verfrachten, um vermeintliche Probleme zu lösen. Dieses Rudel wird hoffentlich nicht das letzte dieser streng geschützten Art sein, das sich hier ansiedelt. Vielmehr sollte durch verschiedenste Schutzvorrichtungen und Aufklärungsarbeit eine friedliche Koexistenz von Wolf und Mensch ermöglicht werden. Vor diesem Hintergrund und für eine zukünftige sachliche Diskussion fordern wir auch die Verantwortlichen in FDP, SPD und CDU dazu auf, sich bei den Mitarbeiter:innen der LANUV für ihre unsachlichen und beleidigenden Worte zu entschuldigen.
Fundierte und sachliche Informationen zu diesem Thema findet man auf der Seite des LANUV und der Dokumentations – und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf.